Donnerstag, 28. Januar 2010
silvester "knaller"
Montag, 18. Januar 2010
Freitag, 18. Dezember 2009
herr hopp und der regressive antikapitalismus
das fussballstadion - ein ort der emotionen. hier sieht man harte kerle weinen, fiebern, toben. eben noch unter fremden, findet der fan sich plötzlich in den armen seines nachbarn wieder, vereint im freudentaumel mit den massen, gemeinsam auch verbunden im hass auf gegner oder der wut enttäuschter hoffnung.
die vereine sind (zumindest am wochenende) die soziale heimat ganzer regionen; ein wichtiger wirtschaftsfaktor und natürlich auch ein ort politischer auseinandersetzungen. fussball ist längst mehr als ein spiel - es ist ein sinnbild und abbild der bestehenden gesellschaftlichen verhältnisse: ein wettbewerb, der seine legitimation aus der vergangenheit zieht, kraft und aufmerksamkeit auf den aktuellen (spiel-) tag richtet und doch gleichzeitig wie ein heilsversprechen immer wieder in die zukunft weist und mit ewig gleichen hoffnungen lockt. anachronistisch beten die anhänger, die trainer, die kommentatoren das ewig gleiche lied von leistung, kampf und „deutschen“ tugenden, als wüssten sie nicht längst, dass es am ende nicht der charakter ist, der die meisterschaft entscheidet, sondern die bilanzen der vereinskassen.
trotzdem war das geschrei der etablierten kräfte groß, als in der saison 2008/2009 ein bis dato unbekannter provinz-verein die erste liga stürmte und dort, ausgestattet mit dem geld ihres gönners dittmar hopp, für furore sorgte und am ende der hinrunde sogar die tabelle anführte. seitdem kommt es immer wieder, wie zuletzt im vorfeld und verlauf des spieles der tsg hoffenheim gegen borussia dortmund, zu verbalen entgleisungen von vereins- verantwortlichen, zu schmähgesängen und beschimpfungen bis hin zu morddrohungen durch die fans und der bereitwilligen und teilweise doppelzüngigen aufbereitung in den medien.
dem gewillten beobachter bietet sich hier (einmal mehr) die gelegenheit, die hässliche fratze eines regressiven antikapitalismus zu beobachten. wieder einmal wird deutlich, wie leicht die stimmung vormals als unpolitisch geltender massen kippen kann, angesichts einer vermeintlichen bedrohung durch einen (scheinbar) übermächtigen gegner. jedoch führt auch hier, wie so oft, der offensichtlich gewordene zusammenhang von finanziellen möglichkeiten und sportlichen erfolgen nicht zu einer neubewertung der gesamtsituation (nämlich der chancen-un-gleichheit in den ausgangsbedingungen) sondern zu den paranoiden gedankengängen einer imaginierten verschwörungtheorie - an deren spitze der kapitalist hopp mit „seiner“ tsg hoffenheim den kampf gegen die angeblich heile gemeinschaft der „traditionellen“ vereine führt. unversehens findet man sich in der postmodernen inszenierung einer klassenkampf- posse wieder die herhalten muss als kulisse für den kampf gegen das personifizierte böse. die angeblich antikapitalistische haltung dient dabei dem zweck, wut und enttäuschung über nicht eingelöste versprechen der kapitalistischen gesellschaft zu kanalisieren. durch die unterstellung von unmoral, schmarotzertum und entfesseltem egoismus wird nicht nur das eigene scheitern erklärt und entschuldigt, sondern auch versucht, die eigene motivation und haltung qua negation aufzuwerten.
deswegen muss jeder versuch scheitern, an die vernunft der hoffenheim- „kritiker“ zu appellieren oder herrn hopp durch hervorhebung seines sozialen engagements und seiner (sicherlich vorhandenen) menschlichen qualitäten aus der schusslinie zu bringen. diese menschen wollen die vernichtung des mit herrn hopp identifizierten und durch ihn personifizierten systems - und dies bedeutet in der kruden konsequenz des regressiven antikapitalismus nicht mehr und nicht weniger als die eleminierung von herrn hopp selbst.
Sonntag, 5. Juli 2009
JUGEND HEUTE
Kinder und Jugendliche wachsen heute in einer Welt auf, die sich unterscheidet von der Welt, die ihre Eltern in der eigenen Kindheit erleben konnten - und noch mehr von der Welt, in die ihre Großmütter hineingeboren worden. Technische Entwicklungen, wie z.B. die Erfindung des Internets, politische Veränderungen, z.B. der Mauerfall haben das Leben der Menschen verändert. Aber auch die Gesellschaft ist einem ständigen Wandel unterworfen. Dies betrifft nicht nur die Flexibilisierung von Beschäftigungsverhältnissen, die Veränderung der Zusammensetzung der Bevölkerung durch Migration usw. sondern auch einen Wandel im Selbstverständnis der Menschen - welcher sich im Zusammenleben, in Kunst und Kultur widerspiegelt.
Die veränderten Rahmenbedingungen bleiben nicht ohne Folgen für das Heranwachsen, gleichzeitig sind es aber auch oft die Jugendlichen selbst, die durch das Herausbilden von Subkulturen mit eigener Ästhetik, Sprache und Präferenz den Lifestyle der Gesellschaft insgesamt prägen und verändern.
Worin liegen aber nun die großen Unterschiede, die das Leben der Jugendlichen heute von dem Leben der Jugendlichen „damals“ (sagen wir z.B. vor 100 Jahren) unterscheiden?
Da wäre zunächste einmal die Ausdehnung und ein verändertes Verständnis der Jugendphase selbst: wenn man den Anfang der Jugend in Abhängigkeit von der Entwicklung der Geschlechtsreife (im biologischen Sinn) terminiert, stellt man fest, dass diese körperliche Entwicklung heute weit früher abgeschlossen ist als früher. Somit würde die Jugendphase heute hormonell bedingt bei Mädchen ab 10 1/2 und bei Jungen ab 11 1/2 Jahren beginnen. Will man das Ende der Jugend an den klassischen Kriterien von „Erwachsen-sein“ verorten (also: Aufnahme eines geregelten Beschäftigungsverhältnisses, Aufbau einer eigenen Familie mit fester Partnerschaft, Kindern und evtl. Eigenheim, Übernahme von individueller, sozialer und gesellschaftlicher Verantwortungen), muss man feststellen, dass diese Grenzen sehr stark fließend und individuell geworden sind. Auch das Selbstverständnis und insbesondere der teilweise langjährige Verbleib in den ehemals rein jugendlich geprägten Subkulturen kann hier zu keiner klareren Abgrenzung beitragen. Deutlich wird aber: Jugend erstreckt sich heute regelmäßig über einen Zeitraum, der mit ca. 11-12 Jahren beginnt und im Durchschnitt nicht vor Ende der Zwanziger endet. Alleine diese Zeitspanne macht es unsinnig, heute noch von einer „Übergangsphase“ zu sprechen - Jugend ist heutzutage eine komplett eigenständige Lebenphase, mit eigenem Ausdruck und eigenen Sinnzusammenhängen, sie ergibt sich nicht nur wie früher dadurch, dass der Heranwachsende „nicht mehr Kind“ und noch „nicht ganz erwachsen“ ist.
Eine weitere Veränderung im Leben der Jugendlichen lässt sich durch den Verlust der Autorität und das Zusammenbrechen der Herrschaft der sog. Hochkulturen erklären, die stark verbunden ist mit der Entwicklung von neuen Medien und einer Populär- Kultur, die eben nicht mehr durch die Buch-/ Textsprache sondern durch Bilder und Sounds geprägt ist. Jugendliche sind heute sehr kompetent darin, auch unklare und schnell-wechselnde Bilder in einen sinnhaften Zusammenhang mit der Hintergrundmusik und -Geräusch zu bringen. Sie können sich ohne Probleme auf Dinge einlassen, die gleichzeitig und schnell passieren. Die Aufmerksamkeit aber auf einen einzigen Punkt zu lenken, wie es beispielsweise beim Lesen eines Buches notwendig ist, fällt Jugendlichen heute aber zunehmend schwerer. Die langsamere Bildsprache alter Filme oder tiefergehende Erklärungen erscheinen ihnen unnötig, langweilig und fern der eigenen Realität.
Eine weitere Veränderung betrifft den Bereich des Verhaltens: Jugend heute läuft in weitesgehend informell organisierten Zusammenhängen statt. Klare Verhaltensregeln, die strenge Moral früherer Jahre und der große Einfluss von Autoritäten sind Situationen gewichen, in denen Regeln und Absprachen individuell ausgehandelt werden und sehr stark situationsbedingt sind. Das ein Aufwachsen in einer Großfamilie klarere Absprachen und Regeln erfordert, als das Zusammenleben einer Alleinerziehenden plus Einzelkind mag hier als beispielhaftes Bild dienen.
Gleichzeitig haben die traditionellen Jugendgrupppen und Sozialisationsinstanzen, wie z.B. freiwillige Ortsfeuerwehr, kirchliche Jugendgruppen, Schule, Sportvereine, Gewerkschaftjugend usw. einen Bedeutungsverlust erlitten (der sich allerdings vermutlich gar nicht so sehr an sinkenden Mitgliederzahlen ablesen lassen dürfte...), stattdessen prägen Handy, Internet- Communities, Chat und andere spontane und teils kurzlebige, bzw. virtuelle Kontakte das Leben der Jugendlichen.
Im Gegensatz zur Sprachlosigkeit von Früher in Bezug auf die eigenen Gefühle, spielt hier oft, gerade im virtuellen Raum, das innere Erleben, die Subjektivierung eine große Rolle. Jugendliche definieren und vereinen sich im Hass auf bestimmte Lehrer oder in der Schwärmerei für bestimmte Schauspieler, Popstars etc., die Präsentation und Projektion der eigenen Gefühle nach aussen ist hierbei von entscheidender Bedeutung und dient neben der (heute scheinbar stark geforderten) Selbstreflektion auch dem abstecken und erfahren von Fremderwartungen. Diese starke Betonung des Gefühls-haften spiegelt sich auch wieder, in Sendungen und Internet-Videos, die von Jugendlichen gerne geguckt werden (Deutschland durch den Superstar usw.) und in denen die Protagonisten die Gefühle von Scham, Niederlage, Erniedrigung, Ohnmacht und Fremdbestimmung quasi stellvertretend ertragen müssen, verbunden mit utopischen Anforderungen und Zielen, die nie erreichbar sind.
Neben der Ausdehnung ist es also die wesentliche größere Individualität und Optionalität, die das Leben der Jugendlichen heute prägt. Eine Orientierung nach Traditionellen Gesichtspunkten, eine streng definiertes, normorientiertes Verhalten ist heutzutage eher selten (wenngleich in bestimmten Bevölkerungsgruppen durchaus noch vorhanden). Stattdessen scheint es für Jugendliche einen permanenten Druck zu geben, individuelle Präferenzen zu entwickeln und nach aussen zu zeigen (in Form von Kleidung, (Körper-) Schmuck, virtuellen Online- Profilen usw.). Verhalten und Sprache gilt es dabei fortwährend dem Kontext anzupassen. Statt der Fremdregulierung wirkt die Selbstregulierung - eine Art „Filter“ im Kopf trennt die Welt in individuell Bedeutsames und Uninteressantes; in „Normales“ und Unakzeptables. Eine ständige Beschäftigung mit der eigenen Gefühlswelt und der Wahrnehmung der eigenen Person durch Andere ist von zentraler Bedeutung geworden und hat die Beschäftigung mit den starren und vorgegebenen Verhaltensvorschriften früherer Zeiten (z.B. die Angst vor „sündhaften“ Verhalten, Auswendiglernen von Verhaltensregeln usw.) verdrängt.
Donnerstag, 4. Juni 2009
UTOPIE UND BRD
kürzlich fand in berlin die feierlichkeiten zum 60 jährigen jubiläum der bundesrepublik statt. hundertausende tummelten sich auf dem „bürgerfest“ zwischen brandenburger tor und siegessäule, während gleichzeitig an anderer stelle in berlin einige linke eine „anti-nationale parade“ abhielten. diese gegenveranstaltung unter dem motto: „staat. nation. kapital. scheisse - gegen die herrschaft der falschen freiheit“, blieb aber in der öffentlichen wahrnehmung dieses tages nahezu komplett ausgeblendet, was nicht nur der geringeren teilnehmerzahl geschuldet sein dürfte. vielmehr scheint der nationale konsens in der gesellschaft derart gefestigt, dass ein kritischer diskurs zum thema staat und nation eben in weiten teilen der bevölkerung nicht hoffen kann, auf offene ohren zu stossen.
lieber beschränkt sich das bürgerliche lager darauf, sich selbst zu beweihräuchern. und die lobeshymnen auf die bundesrepublik dienen dabei dem zweck, sich in einer selbstreferentiellen endlos-schleife wieder und wieder der eigenen stärke und überlegenheit zu versichern. deutschland wird dabei zum mythos stilisiert, krampfhaft werden verbindungen zwischen antiken schlachten und der heutigen bundesrepublik gezogen, kunst und geschichte muss herhalten als identitätsstiftendes band zwischen vergangenheit und gegenwart, zwischen deutschtum und „den anderen.“
selbst die dunkelsten kapitel des deutschen faschismus werden umgedeutet und im sinne von: „wir haben draus gelernt...“ als beweis für die moralische überlegenheit und stärke ins feld geführt.
schimmernd steht sie da, die vergangenheit der deutschen - und wie in der „wacht am rhein“ finden sich „deutsche, bieder, fromm und stark“ en masse zur verteidigung des heiligen vaterlandes (...welches trotz der o.g. überlegenheit und stärke ständig gefährdetet zu sein scheint). und mit diesem geballten widerstand hat jeder zu rechnen, der über den status quo hinaus will und die überwindung der nation anstrebt.
möglicherweise spielt hierbei aber ein gewisser hang zur nostalgie und zur romantisierung eines angeblich harmonischen ur- (deutschen) zustandes eine größere rolle, als tatsächliche überzeugung. den die bundesrepublik deutschland gilt keinesfalls als besonderer liebling des volkes. den einen ist sie zu wirtschaftliberal, den anderen zu ungerecht, mal gilt sie als zu bieder, zu konservativ oder bürgerlich, mal als ein kind der besatzungsmacht und damit un-deutsch, mal zu bescheiden, zu imperalistisch, zu kapitalistisch, zu teuer, zu marktregulierend, zu individualistisch, zu völkisch, faschistisch, förderal oder zentralistisch usw. komischerweise hört man an den stammtischen dieser republik viele stimmen, die davon reden, die gesellschaft zu verbessern. und die utopie einer herrschaftsfreien gesellschaft ist eine vision, mit der sich viele menschen anfreunden können. die meisten zweifeln nur an der realisierbarkeit dieser idee.
und tatsächlich weisen die meisten linken konzepte in dieser hinsicht eine auffällige theoretische schwäche auf. dieses diffuse gefasel von revolution und umsturz ist oft wenig stichhaltig. ich kann an einem bloßen umsturz der herrschenden machtverhältnisse per se noch nichts emanzipatorisches ausmachen. im gegenteil, der gesunde menschenverstand und auch bespiele aus der menschheitsgeschichte zeigen uns immer wieder, dass revolutionen meist nur eine veränderung der machtverhältnisse - nicht aber die beseitigung von machtverhältnissen nach sich ziehen. und teilweise haben diese veränderungen von herrschaft nicht zu einer freieren gesellschaft, sondern zu höchst reaktionären staatsgebilden geführt.
politische ideen, die auf eine radikale veränderung des ist-zustands setzen, sollten diese gefahren im auge behalten. es gilt, politische utopien auf ihre realisierbarkeit hin zu durchleuchten und kriterien zu benennen, an denen eine tatsächliche verbesserung der lebensverhältnisse abzulesen sein soll. und natürlich müssen auch die schritte hin zu einer veränderten gesellschaft genau strukturiert und theoretisch durchleuchtet werden, auch in hinblick auf die möglichen risiken.
ansonsten besteht die gefahr, hinter das zurückzufallen, was in der bundesrepublik real erreicht wurde. nämlich eine eindeutige verbesserung der lebensverhältnisse von vielen menschen bei gleichzeitiger garantie eines hohen maßes an individueller freiheit (auch wenn die grundvoraussetzung hierfür natürlich durch den sieg der alliierten über die faschisten war).
es gilt, die fortentwicklung der menschlichen gesellschaft als einen quasi- evolutionären prozess der ständigen emanzipation zu begreifen. die bundesrepublik ist hier sicherlich nicht das ende der kette, aber eben auch nicht der anfang.
Dienstag, 9. Dezember 2008
Islamistischer Antisemitismus
In den letzten Jahren haben wir es mit einem Phänomen zu tun, dessen Existenz und Auswirkung zwar immer noch (insbesondere von den europäischen Linksintellektuellen) verharmlost oder gar verleugnet wird, welches aber eine reale Bedrohung für die gesamte aufgeklärte Welt darstellt und berechtigte Sorge vor einer neuerlichen Eskalationsstufe antisemitischer Vernichtungswut wecken muss.
Es ist die Gefahr, die von dem sog. islamistischen Terror ausgeht, also von kleinen Gruppen muslimisch geprägter Menschen, die sich in mehr oder weniger autonom agierenden Kreisen organisieren und denen ein reaktionäres Menschen- und Weltbild als ideologische Klammer dient. So unterschiedlich die Strukturen und Herkunftsmilieus, die konkreten Beweggründe und die Aktionsformen auch sein mögen - gemein ist diesen Terrorgruppen, dass sie sich allesamt auf eine Art „Gegenaufklärung“ islamistischer Konnotation berufen.
Immer wieder zu beobachten ist eine explizit antimoderne Haltung, ein regressiver Antikapitalismus, die Ablehnung von Andersgläubigen, Ungläubigen und Säkularisierung, die Verneinung von Individualismus, Subjektivismus und Privatsphäre, die Idealisierung aller möglicher Formen der Gemeinschaft, die Ersetzung der Gesetze der Logik durch die Gesetze des Glaubens, eine Ideologie der strikte Geschlechtertrennung und -Ungleichbehandlung, die Ablehnung allen Formen der Sexualität ausserhalb der heterosexuellen Ehe, das Propagieren eines anti- hedonistischen Lebensalltags im Sinne von ora et labora - d.h. die Forderung nach Verboten aller „sinnlichen“ Freuden und Materialismus, die Stilisierung einer als islamisch- arabisch bezeichneten Kultur bei gleichzeitig Ablehnung allen als westlich identifizierten Einflüssen, die Romantisierung eines angeblichen ursprünglichen Zustandes und die Ablehnung allen Progressiv- Emanzipatorischen.
All diese Faktoren sind mehr oder weniger ausgeprägt und unterscheiden sich, bei aller gegenseitiger Bezugnahme der einzelnen Gruppierungen mal stärker, mal weniger stark.
Aber es gibt ein ideologisches Element, das bei all diesen Gruppen erkennbar ist und vor allem auch immer wieder aus den konkreten Handlungsschritten und der „politischen“ Praxis des Terrors herauszulesen ist - es ist eben kein Zufall, dass immer wieder Menschen unter den Opfern sind, die entweder Juden sind oder anderweitig im Verdacht stehen, Juden- oder Israelfreundlich (oder auch nur neutral eingestellt) zu sein.
Bei den jüngsten Terroranschlägen in Indien wurden z.B. nicht nur die Symbole der als „westlichen“ Dekadenz von den scheinbar aus Pakistan stammenden jungen Männern angegriffen (internationale Nobelhotels) sondern eben auch ein jüdisches Gemeindehaus. Diese Tatsache und der folgende Neunfachmord sind zeigen in ihrer völligen Iosgelöstheit von allen territorialen Konflikten, dass es den Mördern bei dieser, mit dem normalen Menschenverstand nicht mehr zu verstehenden Tat, offensichtlich nur um eines ging, nämlich wahllos und willkürlich so viele Juden zu töten, wie möglich. In der „Judenfrage“ geht es den Islamistischen Terroristen nicht um politische Symbolik, nicht um territoriale Hegemonie oder kulturelle Identität, sondern nur um die pure Vernichtung von Juden. Dies ist Antisemitsmus par excellence - eine neue Qualität und Quantität des Judenhasses, der eingebettet ist in eine weitreichende Weltanschauung und immer wieder, auch in unserer Gesellschaft verharmlost - geleugnet und direkt oder indirekt unterstützt wird.
In Deutschland hingegen findet man immer noch, sei es in den alten Medien, den modernen Diskussionsforen im Internet oder auf den wissenschaftlichen Fachtagungen (wie zuletzt an der FH Hannover) eine Haltung, die geprägt ist von der Angst, als Rassist zu gelten, wenn man öffentlich erklärt, dass Migranten in Deutschland eben nicht nur Opfern (des Systems) sondern auch Täter sein können. Diese Haltung kann ich mir nur aus einer (bewussten oder unbewussten) Idealisierung unterer sozialer Schichten, insbesondere bei den so-genannten Linken, erklären. Armut und soziale Randständigkeit wird romantisiert und pauschal als unverschuldet kategorisiert, ohne Kenntnis der wahren Lebensumstände und Persönlichkeit (in der Tat habe ich selbst die krasseste Form von Rassismus aus den Mündern von Menschen gehört, die selbst unter den Folgen von Ungleichbehandlung zu leiden haben...). Aber Menschen als arme Opfer abzustempeln kann auch eine Form sein, ihnen jegliche Würde abzusprechen und sie aus lauter Liebe und Mitgefühl quasi zu entmündigen.
Es bringt niemanden etwas, offensichtliche Tatsachen kleinzureden oder "kaputt-zu-relativieren" aus Angst vor einer Marginalisierung von Minderheiten. In diesem Fall ist P.c. aber unangebracht und ausserdem überflüssig: Ausländerhass orientiert sich nicht Sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen. Aber die modernistischen Kräfte, auch innerhalb jener muslimisch geprägten Minderheit werden durch das Schweigen geschwächt. Und der Gegenaufklärung wird doppelt in die Karten gespielt.

