Dienstag, 9. Dezember 2008

Islamistischer Antisemitismus

In den letzten Jahren haben wir es mit einem Phänomen zu tun, dessen Existenz und Auswirkung zwar immer noch (insbesondere von den europäischen Linksintellektuellen) verharmlost oder gar verleugnet wird, welches aber eine reale Bedrohung für die gesamte aufgeklärte Welt darstellt und berechtigte Sorge vor einer neuerlichen Eskalationsstufe antisemitischer Vernichtungswut wecken muss. 

Es ist die Gefahr, die von dem sog. islamistischen Terror ausgeht, also von kleinen Gruppen muslimisch geprägter Menschen, die sich in mehr oder weniger autonom agierenden Kreisen organisieren und denen ein reaktionäres Menschen- und Weltbild als ideologische Klammer dient. So unterschiedlich die Strukturen und Herkunftsmilieus, die konkreten Beweggründe und die Aktionsformen auch sein mögen - gemein ist diesen Terrorgruppen, dass sie sich allesamt auf eine Art „Gegenaufklärung“ islamistischer Konnotation berufen. 

Immer wieder zu beobachten ist eine explizit antimoderne Haltung, ein regressiver Antikapitalismus, die Ablehnung von Andersgläubigen, Ungläubigen und Säkularisierung, die Verneinung von Individualismus, Subjektivismus und Privatsphäre, die Idealisierung aller möglicher Formen der Gemeinschaft, die Ersetzung der Gesetze der Logik durch die Gesetze des Glaubens, eine Ideologie der strikte Geschlechtertrennung und -Ungleichbehandlung, die Ablehnung allen Formen der Sexualität ausserhalb der heterosexuellen Ehe, das Propagieren eines anti- hedonistischen Lebensalltags im Sinne von ora et labora - d.h. die Forderung nach Verboten aller „sinnlichen“ Freuden und Materialismus, die Stilisierung einer als islamisch- arabisch bezeichneten Kultur bei gleichzeitig Ablehnung allen als westlich identifizierten Einflüssen, die Romantisierung eines angeblichen ursprünglichen Zustandes und die Ablehnung allen Progressiv- Emanzipatorischen. 

All diese Faktoren sind mehr oder weniger ausgeprägt und unterscheiden sich, bei aller gegenseitiger Bezugnahme der einzelnen Gruppierungen mal stärker, mal weniger stark. 

Aber es gibt ein ideologisches Element, das bei all diesen Gruppen erkennbar ist und vor allem auch immer wieder aus den konkreten Handlungsschritten und der „politischen“ Praxis des Terrors herauszulesen ist - es ist eben kein Zufall, dass immer wieder Menschen unter den Opfern sind, die entweder Juden sind oder anderweitig im Verdacht stehen, Juden- oder Israelfreundlich (oder auch nur neutral eingestellt) zu sein. 

Bei den jüngsten Terroranschlägen in Indien wurden z.B. nicht nur die Symbole der als „westlichen“ Dekadenz von den scheinbar aus Pakistan stammenden jungen Männern angegriffen (internationale Nobelhotels) sondern eben auch ein jüdisches Gemeindehaus. Diese Tatsache und der folgende Neunfachmord sind zeigen in ihrer völligen Iosgelöstheit von allen territorialen Konflikten, dass es  den Mördern bei dieser, mit dem normalen Menschenverstand nicht mehr zu verstehenden Tat, offensichtlich nur um eines ging, nämlich wahllos und willkürlich so viele Juden zu töten, wie möglich. In der „Judenfrage“ geht es den Islamistischen Terroristen nicht um politische Symbolik, nicht um territoriale Hegemonie oder kulturelle Identität, sondern nur um die pure Vernichtung von Juden. Dies ist Antisemitsmus par excellence - eine neue Qualität und Quantität des Judenhasses, der eingebettet ist in eine weitreichende Weltanschauung und immer wieder, auch in unserer Gesellschaft verharmlost - geleugnet und direkt oder indirekt unterstützt wird. 

In Deutschland hingegen findet man immer noch, sei es in den alten Medien, den modernen Diskussionsforen im Internet oder auf den wissenschaftlichen Fachtagungen (wie zuletzt an der FH Hannover) eine Haltung, die geprägt ist von der Angst, als Rassist zu gelten, wenn man öffentlich erklärt, dass Migranten in Deutschland eben nicht nur Opfern (des Systems) sondern auch Täter sein können. Diese Haltung kann ich mir nur aus einer (bewussten oder unbewussten) Idealisierung unterer sozialer Schichten, insbesondere bei den so-genannten Linken, erklären. Armut und soziale Randständigkeit wird romantisiert und pauschal als unverschuldet kategorisiert, ohne Kenntnis der wahren Lebensumstände und Persönlichkeit (in der Tat habe ich selbst die krasseste Form von Rassismus aus den Mündern von Menschen gehört, die selbst unter den Folgen von Ungleichbehandlung zu leiden haben...). Aber Menschen als arme Opfer abzustempeln kann auch eine Form sein, ihnen jegliche Würde abzusprechen und sie aus lauter Liebe und Mitgefühl quasi zu entmündigen. 

Es bringt niemanden etwas, offensichtliche Tatsachen kleinzureden oder "kaputt-zu-relativieren" aus Angst vor einer Marginalisierung von Minderheiten. In diesem Fall ist P.c. aber unangebracht und ausserdem überflüssig: Ausländerhass orientiert sich nicht Sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen. Aber die modernistischen Kräfte, auch innerhalb jener muslimisch geprägten Minderheit werden durch das Schweigen geschwächt. Und der Gegenaufklärung wird doppelt in die Karten gespielt.  


Donnerstag, 4. Dezember 2008

abgebrannt...


bin erstmal quasi obdachlos - gab nen kleinen brand bei uns... (adventskränze sollte man verbieten; brauch eh kein mensch!)


Dienstag, 2. Dezember 2008

Von wegen "Ende des Kapitalismus"

Seit dem Zusammenbrechen des amerikanischen Immobilienmarktes und der dadurch ausgelösten, weltweiten Finanzkrise steht plötzlich ein ganzes Wirtschaftssystem zur Disposition, welches sich noch vor Jahresfrist schier unbegrenzter Zustimmung erfreut hatte: der Kapitalismus. Allerorten wird in wechselnder Reihenfolge das Versagen, der Zusammenbruch, das Ende oder zumindest die Krise der Ideologie des „freien Marktes“ ausgerufen. Die Idee eines freien Spiels der Kräfte auf dem Weltmarkt zu propagieren,  trauen sich allerhöchstens noch eine Handvoll hartgesottene Liberale. 

Diese apokalyptische Stimmung aber trifft die Linken merkwürdigerweise scheinbar völlig unvorbereitet. Die Schwächung des Kapitals löst hier scheinbar sprachloses Entsetzen aus - anstatt zu reagieren, eigene Konzepte zu präsentieren, die Massen zur Revolution oder wenigstens einem kleinen Generalstreik zu mobilisieren verharrt die Linke in einer Art Schockstarre. Jetzt, wo eingetreten ist, was man sich so lange erträumt hatte, zeigt sich die nackte Angst vor dem Unbekannten, dem Unberechenbaren und man steckt lieber den Kopf in den Sand und wartet ab, ob dieser Kelch nicht doch irgendwie an uns vorbeigeht (oder wenigstens nur einige Kleinststaaten à la Island in den Ruin getrieben werden). 

Was im ersten Moment paradox anmutet, scheint auf den zweiten Blick schon logischer - die Krise des Kapitals zeigt erstens auf, dass die Linke keine brauchbaren Alternativen oder realistische Konzepte zu bieten hat, die man einer breiteren Masse vermitteln könnte, ja in Wirklichkeit hat man noch nicht einmal ein vernünftiges Analyse- Modell zur Hand, welches die aktuellen Vorgänge erklären könnte. Zweitens bricht mit der Schwäche des Kapitalismus zugleich das wichtigste Feindbild der Linken weg; die omnipotenten Bedrohung durch die Weltverschwörung der finsteren Mächte des Kapitals erscheint wenig furchteinflössend angesichts der zerknirschten Gesichter an den Börsen und den flennenden Managern und Bankiers, die sich bettelnd auf den Gang nach Canossa zu ihren jeweiligen Finanzministern machen oder sich gleich aus dem Fensterrahmen stürzen. 

Der tiefe Fall des alten Feindes reisst die Linken mit in den Abgrund. Wo man rege Betriebsamkeit erwartet hätte, herrscht Apathie; statt Freude oder Entsetzen entsetzen herrscht Sprach- und Teilnahmslosigkeit. Der oft beschworene Untergang scheint nahe wie lange nicht, aber die dazugehörige Untergangshysterie sucht man vergeblich. Die radikale Linke scheint ratlos. Die Krise des Kapitals kommt zur Unzeit - für Revolution ist man nicht in der richtigen Stimmung. 

Das Feld ist also mal wieder all jenen Selbstdarstellern überlassen, die es vorher schon nicht geschafft haben, diese Wirtschaftskrise auch nur zu erahnen. Jetzt kann man sich gegenseitig beschuldigen, die Politiker hauen ein bisschen auf die Manager ein (verbal, versteh sich) und die Manager hauen zurück oder schieben den schwarzen Peter weiter - auf andere Manager oder am liebsten auf die  Finanzinvestoren anderer Nationen. Der allerliebste Feind ist und bleibt aber das gierige„internationale Finanzjudentum.“ So stabilisiert sich das System einmal mehr selbst - und das ist angesichts des Mangels an echten Alternativen im Moment vielleicht auch nicht das Schlechteste...